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Rede von Generalkonsul Dr. Keil  zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar 2021 im Ukrainischen Institut für die Holocaust-Studien „Tkuma“ und im „Museum für jüdische Geschichte und Holocaust“ (Dnipro)

27.01.2021 - Artikel

Sehr geehrter Schschupak,

sehr geehrte Damen und Herren,


der 27. Januar ist der internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts.  In diesem Jahr erinnern wir Deutsche  auch an 1700 Jahre jüdischen Lebens in Deutschland.


Lassen Sie mich zunächst sagen, dass ich es als eine besondere Ehre, ja Gnade empfinde, dass ich von der jüdischen Gemeinde in Dnipro zu der heutigen Gedenkfeier eingeladen bin und zu Ihnen sprechen darf.


Heute hier zu stehen und vor Ihnen zu sprechen, fällt mir alles andere als leicht: Ich empfinde tiefen Scham angesichts der barbarischen Verbrechen, die gerade hier in der Ukraine von Deutschen während des Besatzungsregime im 2. Weltkrieg verübt wurden.


1,5 Millionen Juden haben in der Ukraine den Tod gefunden, meist durch Massenerschießungen. 2000 Massenerschießungen gab es auf dem Gebiet der Ukraine.


Babyn Yar steht beispielhaft für die Massenerschießungen der Juden, di e sich im Herbst zum 80. Male jähren.


Ich kann hier nur danken für die Möglichkeit, in Namen  meines Volkes um  Verzeihung zu bitten.


Wir Deutsche haben  eine besondere und historische Verantwortung, dass so etwas nie mehr passiert. Unsere historische Verantwortung endet nie. Es gibt kein Ende des Erinnerns an die Shoah, denn die Shoa ist Teil deutscher Geschichte und Identität.


Wir müssen insbesondere auch immer wieder jüngere Generationen an das Thema Holocaust heranführen, das Wissen über die Gräueltaten von damals weitergeben und das Erinnern an den Holocaust wach halten. In diesem Zusammenhang möchte ich aus aktuellem Anlass auf eine Initiative des deutschen Vorsitzes der International Holocaust Rembrance Alliance ( IHRA) hinweisen, aufgrund derer die Vereinten Nationen, die UNESCO und die IHRA gemeinsam den Internationalen Holocaust-Gedenktag  begehen u.a. mit einer Podiumsdiskussion zur Holocaustverfälschung.


Ich bin aber auch  dankbar, dass ich heute hier sein kann und das Wunder der Versöhnung zwischen Deutschland und dem jüdischen Volk hier greifbar erleben darf.

Die Tatsache, dass die jüdische Gemeinde in Dnipro und das Deutsche Generalkonsulat eine so freundschaftliche Beziehung pflegen, ist ein ermutigendes Zeichen für die Zukunft, eine Zukunft des Miteinanders von Juden und Deutschen. In diesem Zusammenhang möchte ich mich auch noch einmal auf die Vergangenheit beziehen: In diesem Jahr erinnern wir Deutsche auch an 1700 Jahre jüdischen Lebens in Deutschland.


Dieses Museum und das Menora-Zentrum bieten eine große Chance, sich gemeinsam zu erinnern und dazu beizutragen, dass niemals vergessen wird, was passiert ist und was Rassismus und ideologischer Extremismus anrichten können.


Die Botschaft des heutigen  Gedenktages  lautet:  Vergangenes wird nicht vergessen. Sie fordert uns täglich heraus, unser Miteinander nach Maßstäben der Menschlichkeit zu gestalten. Der Holocaust  geht uns alle an – heute und morgen, nicht nur an Gedenktage.


Nochmal einen herzlichen Dank für die Einladung zu diesem Gedenktag und für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit.


(Mehr zur Veranstaltung finden Sie hier)

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