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Grußwort des Generalkonsuls zum fünften Jahrestag der Geschichtswerkstatt Tschernobyl in Charkiw

Artikel

· Der 26. April ist ein wichtiges Datum, das nicht vergessen werden darf: der Jahrestag des Unfalls im Kernkraftwerk Tschernobyl. Die Geschichtswerkstatt Tschernobyl in Charkiw hat sich die Mahnung an dieses Ereignis zu seiner Aufgabe gemacht.

· Aber es geht nicht nur um eine Mahnung: es geht um konkrete Hilfe für die Opfer dieses Unfalls, die direkten Opfer und die Liquidatoren.

· Um deren Leistung zu verstehen, will ich nur an einen Fakt erinnern: im November letzten Jahres wurde die neue Schutzhülle nach einer über zehnjährigen Bauzeit fertiggestellt für 1 417 000 000 (eine Milliarde vierhundertsiebzehn Millionen) Euro. Die Liquidatoren haben 1986 in siebeneinhalb Monaten die erste Schutzhülle erstellt, unter unsäglich grausamen Bedingungen.

· Wir schulden ihnen unseren Respekt, unsere Anerkennung, unsere Unterstützung und einen Raum, wo sich Menschen an diese Opfer erinnern können.

· Gerade in Charkiw ist dieser Raum von besonderer Bedeutung, kamen doch viele Liquidatoren von hier; ihr Leiden wird hier seit fünf Jahren dokumentiert.

· Deutschland hat von Anfang an die betroffenen Menschen unterstützt und lässt sie auch jetzt nicht im Stich. Das IBB Dortmund hat sich dabei durch besonders intensive Hilfe hervorgetan. Die Gründung dieser Werkstatt ist ja nur ein Beispiel der engen und freundschaftlichen Beziehungen der Tschernobyl-Verbände mit IBB.

· Ich bin gern hierhergekommen zu dieser Veranstaltung, weil die beteiligten Organisationen sich nicht darauf beschränken anzuklagen. Sie sind in die Zukunft gerichtet und wollen anderen Menschen ihre Erfahrungen mit auf den Weg geben.

· Es zeugt von bemerkenswerter Verantwortungsbereitschaft, dass die Geschichtswerkstatt ihre Erfahrung von Flucht und Binnenvertreibung mit den Opfern der russischen Aggression teilt und zur Anlaufstelle für Binnenflüchtlinge geworden ist.

· Ich bin gespannt auf die Präsentation der 5 Jahre der Arbeit der Werkstatt genauso wie auf das Zeitzeugenarchiv und die Buchpremiere. Ich freue mich darüber, dass sich noch immer Menschen, die selbst betroffen sind, öffnen können, um ihre bitteren Erfahrungen mit anderen zu teilen.

· In der Tat ist es Zeit sich zu fragen, wie die Warnung von Tschernobyl für die nächsten Generationen aktuell und wach gehalten werden kann. Gerade im Angesicht immer schneller werdender neuer technologischer Entwicklungen dürfen wir die Gefahren nicht aus den Augen verlieren: naive Technikgläubigkeit können wir uns nicht mehr leisten. Diese Erkenntnis müssen wir an die nächste Generation, die Generation des internet, der smartphones und der Roboter weitergeben. Die Erfahrung aus Tschernobyl kann hierfür eine große Stütze sein.

· Deutschland hat sich ja mit der großen Mehrheit seiner Bevölkerung dafür entschieden, aus der Kernkraft auszusteigen. Wir verstehen, dass andere Länder und anderen Bedingungen zu anderen Entscheidungen gekommen sind. Sie mögen dann bitte auch ihrer Verantwortung für die gesamte Menschheit aber auch für die Opfer dieser Katastrophe bewusst sein.

· Deutschland bleibt den Opfern weiter verbunden. Dies hat der Deutsche Bundestag durch eine Erklärung am 20. Jahrestag des Unfalls 2016 erklärt: die deutsche Unterstützung für ukrainische Organisationen wie diese Geschichtswerkstatt oder diejenigen, die sich um die medizinischen und sozialen Spätfolgen kümmern, bleibt bestehen.

· Die Zusammenarbeit zwischen den Tschernobyl-Verbänden und der IBB ist beispielgebend für die zivilgesellschaftliche Vernetzung unserer beiden Länder, die immer dichter und intensiver wird.

· Hier wird der politische Gleichklang unserer Gesellschaften durch sehr konkrete Arbeit fühlbar gemacht.

· Seit drei Jahren fördert das Auswärtige Amt diese Zusammenarbeit durch ein Programm, das solche vernetzten Projekte wie die Geschichtswerkstatt unterstützt.

· Ich hoffe sehr, dass wir mit unseren Unterstützungsmaßnahmen der Ukraine helfen können auf dem Weg zu einer demokratischen, an westlichen Maßstäben orientierten Gesellschaft. Dazu gehört unbedingt auch die soziale Verantwortung für die Menschen, die sich für ihre Gesellschaft mit ihrem Leben und ihrer Gesundheit eingesetzt haben.

· Ihnen gilt unser Dank; für Sie sind wir hier.

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