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Wirtschaft

28.02.2017 - Artikel

Stand: Februar 2017

Volkswirtschaftliche Struktur

Der Osten des Landes ist das (schwer-)industrielle Zentrum der Ukraine, der Westen ist ländlicher, aber zunehmend auch von Leichtindustrie geprägt. Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind die metallurgische und chemische Industrie, die Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie sowie der Maschinenbau, zudem zunehmend der IT-Sektor.

Die ukrainische Industrie leidet in weiten Teilen unter geringer Wettbewerbsfähigkeit aufgrund veralteter Anlagen und hohen Energieverbrauchs. Die Ukraine weist jedoch auch eine Reihe von Standortvorteilen auf: einen mit rund 45 Millionen Einwohnern relativ großen Binnenmarkt, einige hoch entwickelte Nischensektoren wie Flugzeug- und Raketenbau, die unmittelbare geographische Nähe zu den Absatzmärkten in der EU und in Osteuropa, einen hohen Nachholbedarf bei Konsum und Modernisierungsinvestitionen, sehr gute natürliche Voraussetzungen für die Landwirtschaft sowie ein vergleichsweise niedriges Lohnniveau bei grundsätzlich hohem Ausbildungs- bzw. Ausbildbarkeitsstand.
Nach dem Zusammenbruch der zentralistischen Planwirtschaft Anfang der 90er Jahre wurde das ehemalige Staatsvermögen rasch privatisiert. Aus dieser Entwicklung ist eine Gruppe von 'Oligarchen' hervorgegangen, die auch heute noch auf verschiedene Weise erheblichen Einfluss auf wirtschaftspolitische Entscheidungen nimmt. Gleichzeitig sind bis heute wesentliche Teile der Wirtschaft in Staatshand verblieben. Die Regierung strebt weitgehende Privatisierungen an, bisher jedoch ohne großen Erfolg.

Nachdem die ukrainische Wirtschaft 2015, nicht zuletzt infolge der fortgesetzten Kampfhandlungen im Osten des Landes, noch um 10,6% schrumpfte, hat sie sich seither stabilisiert und auf einen leichten Wachstumspfad begeben (BIP-Wachstum 2016 und 2017 jeweils ca. 2%). Im Falle einer nachhaltigen Beendigung der militärischen Auseinandersetzungen in der Ostukraine und bei Umsetzung der von IWF (Internationaler Währungsfonds), EU und weiteren internationalen Akteuren unterstützten wirtschaftlichen Reformpolitik sollte die Ukraine zukünftig mit kontinuierlichem Wachstum (die Prognosen für 2018 liegen bei ca. 3,5%, für 2019 bei 4%) rechnen können, auch wenn weiterhin erhebliche Risiken bestehen (zeitweise Verschlechterung der „terms of trade“ infolge Preisrückgangs für zahlreiche Exportgüter; gegen die Ukraine gerichtete Wirtschaftsmaßnahmen Russlands; politische Unsicherheit, Korruption und mangelnde Rechtssicherheit in der Ukraine; Risiken im Bankensystem; potenzielle Engpässe bei der Energie- und Rohstoffversorgung). Die Bundesregierung unterstützt die wirtschaftliche Entwicklung der Ukraine in vielfältiger Weise, u.a. durch einen ungebundenen Finanzkredit in Höhe von 500 Mio. Euro.

Wirtschaftspolitik

Die gegenwärtige ukrainische Regierung hat sich einem umfassenden Reformprogramm verschrieben, dessen weitere Umsetzung die Wettbewerbsfähigkeit der ukrainischen Wirtschaft deutlich erhöhen würde. Zu einem erheblichen Teil basiert es auf den Vorgaben des 2014 unterzeichneten und am 01.01.2016 in Kraft getretenen Assoziierungsabkommens mit der EU, das die Übernahme europäischer Standards und eine weitere Liberalisierung des Handels mit der EU vorsieht. Das ukrainische Parlament hat hierzu bereits einige weitreichende Gesetzesvorhaben beschlossen, beispielsweise zur Neugestaltung des Gasmarktes in Einklang mit EU-Wettbewerbsregeln. Auch das laufende IWF-Programm und die darin mit der Ukraine erzielten Vereinbarungen stärken die ukrainischen Reformperspektiven.

Außenhandel

Die Ukraine ist eine stark exportorientierte Volkswirtschaft. Die Exporte (zu einem bedeutenden Teil Agrarprodukte und Stahlerzeugnisse) machen mehr als ein Drittel des BIP aus. Sie setzen sich größtenteils aus Roh- und Halbfertigwaren (auch Agrarerzeugnisse) zusammen. Seit 2008 ist die Ukraine Mitglied der WTO (Welthandelsorganisation). Das Assoziierungsabkommen mit der EU beinhaltet ein umfassendes und vertieftes Freihandelsabkommen, das der Ukraine erhebliche Perspektiven für die Steigerung ihrer Exporte in die EU eröffnet. In den letzten Jahren setzte eine Umorientierung des ukrainischen Außenhandels ein: Während die Handelsbeziehungen der Ukraine mit Russland und anderen GUS stark rückläufig sind, werden die EU und Asien als Außenhandelspartner der Ukraine immer wichtiger (EU-Anteil am ukrainischen Außenhandel inzwischen bei ca. 40%, Tendenz steigend; russischer Anteil nur noch ca. 10%).

Die bestehenden ausländischen Direktinvestitionen in der Ukraine betrugen laut ukrainischem Statistikamt Ende 2016 etwa 45 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich mit anderen Ländern der Region sind die Direktinvestitionen pro Kopf niedrig. Das größte Investitionsvolumen kommt aus Zypern (wobei es sich größtenteils um de facto ukrainisches und russisches Kapital handeln dürfte; gleiches gilt mit Blick auf Herkunftsländer wie die British Virgin Islands und Belize), gefolgt von den Niederlanden, Deutschland, Russland, Österreich und Großbritannien.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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